kettenhund (1)

Zwischen Olivenbäumen, Meerblick und Kettenhunden im Hof

25. Mai 2026

Es gibt vieles, was schön ist hier in Kroatien.
Wirklich vieles.
Aber es gibt auch Dinge, die zerreißen einem manchmal einfach das Herz.
Und eines davon ist für mich der Umgang vieler Menschen mit ihren Hunden.
Nicht überall.

Nicht alle.
Und ja, es gibt auch Menschen hier, die Tiere retten, sich kümmern, helfen und unglaublich viel Herz haben.
Aber trotzdem sieht man es ständig.
Hunde, die ihr gesamtes Leben an einer kurzen Kette verbringen.
Einfach „da“ sind.
Wie ein Gegenstand auf dem Hof.
Man fährt durch die Dörfer und sieht sie überall.
Mehrere Hunde auf einem Grundstück.
Der eine läuft frei herum, liegt entspannt auf einer Mauer oder mitten auf der Straße in der Sonne.
Und daneben hängt der andere an einer Kette an einem Baum.
Oder ein Junghund in einem winzigen Verschlag.
Vielleicht eineinhalb mal eineinhalb Meter.
Ein kleines Häuschen darin.
Gitter.
Beton.
Keine Beschäftigung.
Kein Sozialkontakt.
Nichts.
Und dann steht der Hund den halben Tag mit den Vorderpfoten oben am Gitter oder über dem Dach, einfach weil da drin kein Leben ist.

Oder diese Zwinger.

Nicht richtig überdacht.
Die Sonne knallt im Sommer brutal hinein.
Vielleicht irgendwo ein kleines Stück Schatten.
Aber das ist kein Leben.

Und ich verstehe es nicht.

Wirklich nicht.
Man kann sagen:
„Sie haben es nicht anders gelernt.“
„Das war schon immer so.“
Aber irgendwann kann das doch keine Erklärung mehr sein.
Es gibt Fernsehen.
Dokumentationen.
Internet.

Menschen aus derselben Kultur, die ganz anders mit Tieren umgehen.

Die Hunde retten.
Die helfen.
Die hinschauen.
Die Mitgefühl haben.
Also kann man nicht einfach sagen, man wüsste es nicht besser.
Und warum ich das heute schreibe?
Weil gestern – am Pfingstsonntag – plötzlich ein Hund auf unserem Grundstück stand.
Mit einer Kette, die noch an ihm herunterbaumelte.

Ein Kettenhund.

Ich bin ehrlich:
Im ersten Moment bin ich erschrocken.
Nicht wegen des Hundes selbst.
Sondern weil er so schlimm aussah.
Noch immer aussieht.
Sein Gesicht.
Die Augen.
Diese massive Entzündung rundherum.
Diese sogenannte Brillenbildung.
Aus der Ferne dachte ich zuerst, er wäre verätzt worden.
Und gleichzeitig kam dieser Hund, als er mich sah, sofort freundlich auf mich zu.
Freudig.
Schwanzwedelnd.

Und genau das macht es irgendwie noch schlimmer.

Dieses Tier trägt sichtbar Leid mit sich herum und kommt trotzdem voller Hoffnung auf Menschen zu.
Ich weiß nicht, woher er kam.
Ich weiß nicht, ob er ausgesetzt wurde.
Oder ob er abgehauen ist.
Ein Bild von ihm werde ich nicht posten.
Zum einen, weil ich nicht möchte, dass der Besitzer ihn möglicherweise erkennt und zurückfordert, falls der Hund tatsächlich weggelaufen ist oder ausgesetzt wurde.
Und zum anderen auch, weil ich niemanden verschrecken möchte.
Der Anblick ist wirklich schlimm. (Das Beitragsfoto hier geht in die Richtung wie er aussieht, nur dass die Augen viel viel schlimmer sind! und dient der Aufmerksamkeit, ohne zu schocken)
Deshalb ist das Bild, das ihr hier seht, nicht dieser Hund.

Für mich heißt er mittlerweile Milo.

Oder eher „Milo moje“.
So kam es einfach.
Vielleicht weil dieser völlig fertige, kranke Hund trotzdem noch freundlich auf Menschen zugelaufen kam.
Als hätte er sich seine Sanftheit trotz allem bewahrt.
„Milo moje“.
Mein Lieber.
Mein Süßer.
Mein Schatz.
Und vielleicht ist genau das gerade die Krönung all dessen, was mir seit unserer Auswanderung hier immer wieder schwer auf dem Herzen liegt.

Dieses stille Leid vieler Tiere.

Dieses „Einfach-da-sein“.
Ohne Nähe.
Ohne wirkliche Fürsorge.
Ohne Leben.
Und ja…
das macht manchmal einfach sprachlos.

 

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